Lambiels Weg führt in die USA
Der zweifache Weltmeister trennt sich von Trainer Peter Grütter, um in den USA mit Wiktor Petrenko, Olympiasieger von 1992, die Karriere hinsichtlich Vancouver neu zu lancieren.
von Monica Schneider
Mit abruptem Personalwechsel, plötzlichen Programmänderungen, kurzfristigen Wettkampfabsagen und Ähnlichem hat sich Eiskunstläufer Stéphane Lambiel in den vergangenen Jahren den Ruf eines unberechenbaren Überraschungsathleten zugelegt. Gestern nun hat der zweifache Weltmeister und Olympiasilbergewinner von 2006 angekündigt, Genf und Trainer Peter Grütter zu verlassen, um hinsichtlich den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver einen Neustart zu wagen. Sein neuer Trainer wird Wiktor Petrenko sein, der gebürtige Russe ist ebenfalls zweifacher Weltmeister(1990/1992) und wurde 1992 nach dem politischen Umbruch erster ukrainischer Olympiasieger.
Mit einem kurzen Unterbruch (2004) hat das Duo Grütter / Lambiel seit 1995 zusammengearbeitet. Erfolgreich zusammengearbeitet. Dass nach dem enttäuschenden 5. Rang an der WM in Göteborg im vergangenen März etwas passieren musste, sei "sofort klar" gewesen, sagt Oliver Höner, der Lambiels Showverpflichtungen managt und nach eigener Aussage massgeblich die Fäden gezogen habe auf der Suche nach einer neuen Lösung.
"Ich brauche einen neuen Kick"
Es sei ein schwieriger Entscheid gewesen, gesteht Lambiel, der sich lang Gedanken über seine Zukunft gemacht hat: "Ich verdanke Peter Grütter enorm viel, wir trennen uns in aller Freundschaft." Seine menschlichen wie beruflichen Qualitäten seien aussergewöhnlich, "aber ich brauche jetzt einfach neuen Kick", sagt der 23-jährige Walliser. Höner nennt es sogar die "logische Konsequenz" nach der letzten Saison, in der er vor allem bei dem Sprüngen nicht mehr an frühere Leistungen anknüpfen konnte.
Höner betont, dass diese Veränderung nur insofern Überraschung sei, als dass sie überhaupt zustande gekommen ist. Neben der Lösung Petrenko stand auch eine Zusammenarbeit mit Alexei Mischin, dem Trainer von Olympiasieger Jewgeni Pluschenko, zur Diskussion. Dies hätte allerdings bedingt, dass Lambiel nach St.Petersburg zieht, was ihm letztlich nicht zusagte. Hinter Petrenko und New Jersey stand allerdings das Fragezeichen Johnny Weir. Wie würde der amerikanische WM-Dritte reagieren, wenn sich plötzlich der grosse Konkurrent Lambiel seiner Trainingsgruppe anschliessen würde?
Im Team mit Johnny Weir
Um die gegenseitigen Befindlichkeiten auszuloten, lud der 39-järige Petrenko Lambiel vor gut zwei Wochen für ein zehntätiges Training ein. "Und die Bedenken erwiesen sich als unbegründet", sagt Höner. Lambiel erhofft sich den "neuen Kick" vom veränderten Umfeld, von einem Trainer, dem er mit grösstem Respekt begegnet, der sein Wunschkandidat gewesen ist und der ihm wieder zu mehr Stabilität verhelfen soll. Choreografisch wird er - je nach Programm - weiterhin mit Salomé Brunner und Antonio Najarro arbeiten. Hingegen wird er neu von Trainingskollegen profitieren, die sich auch demselben Niveau wie er bewegen und ihn deshalb auch entsprechend fordern werden. Zudem wird er in New Jersey genügend Möglichkeiten finden, sich schauspielerisch und tänzerisch aus- und weiterzubilden.
Noch gestern Abend traf sich Lambiel mit Höner, um die kommenden Wochen genauer zu planen. Vorgesehen ist, dass er im Juli nach Amerika zieht, vorher aber noch Shows in Japan und Südkorea bestreitet. Sein grosses Ziel bleibt Vancouver. Nicht vergessen hat er, wie er sich damals, 1992, als 7-jähriger vorgenommen hat, auch einmal zuoberst auf dem Olympiapodest zu stehen. Das strebt er nun mit dem damaligen Sieger an.
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Sagt der Schweiz adieu: Lambiel zieht im Juli nach Amerika.